Verkostung – Die Gin-Marken im Geschmackstest

In den Regalen des Getränkemarkts stehen viele Gin-Flaschen. Bei welcher schmeckt der Inhalt?


Beefeater 24

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„Weich, harmonisch, komplex, aber nie überfordernd. Ein schlau komponiertes Produkt, das auf Massenkompatibilität angelegt ist, also vielen Leuten schmecken dürfte. Grapefruit und Grüner Tee verleihen ihm eine dunkle Würzigkeit. Er ist erfrischend und doch dezent kräutrig, mit angenehmem Finish. So erinnert er an diese sympathischen britischen Oldschool-Cocktails für den Nachmittag, zum Beispiel an Tee-Punsch. Ein Gin, den man gut mit Tonic trinken kann, weil seine Aromen Konkurrenz vertragen.“

Literpreis: etwa 37


Tanqueray 10

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„Der riecht recht aufdringlich, irgendetwas zwischen künstlichem Pinien-Aroma, Zitronenbonbon und amerikanischer Parkettpolitur. Er ist sehr süß am Gaumen, dazu leicht säuerlich, kippt dann aber schnell ins Bittere. Das ist nicht sehr harmonisch, sondern ziemlich eindimensional. Auch der Nachhall ist leider nicht schön. Die Aromen sind schnell wieder weg, was bleibt, ist eine extreme Bitternote. Insgesamt zu aggressiv und künstlich. Auch das Mundgefühl ist nicht so ölig, wie man es gern hat bei Gin.“

Literpreis: etwa 36


The Botanist

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„Der Gin schmeckt seltsamerweise besser, als er riecht. Sehr komplex, jodig mit interessanter Meeresnote. Er hat eine wunderbare Struktur, alle Aromen sind elegant eingebunden, der Alkohol ist angenehm, der Nachhall toll und ausbalanciert. Man schmeckt Kräuter wie Nessel und Farn, dazu Waldbodenaromen, Frucht- und Blüten- sowie säuerlich-bittere Rhabarber-Nuancen. Alles extrem fein, pointiert, aber harmonisch. Das ist eindeutig Gin für Fortgeschrittene. Pur trinken! Es wäre schade, ihn zu mixen.“

Literpreis: etwa 50


Bombay Sapphire

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„Das Aroma ist eine bizarre Mischung aus Gummi, Klebstoff und Wacholder. Erstaunlich: Das Rezept stammt von 1761, man sollte meinen, die hätten genug Zeit gehabt, daran was zu verändern. Am Gaumen kommt dieser Gin langsam und ist schnell wieder weg. Ein wenig Anis, ein paar Bitternoten, fertig. Der kürzeste von allen. Null Komplexität. Und der Alkohol brennt mehr auf der Zunge als bei Sorten, die fast zehn Volumenprozent mehr haben. Da gehört Tonic drauf, damit er überhaupt nach etwas schmeckt.“

Literpreis: etwa 24


Monkey 47

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„Trotz 47 Volumenprozent Alkohol brennt dieser Gin nicht in der Nase und ist weich am Gaumen. Dort startet er sanft, dann kommt eine Explosion mit langem Finish: rote Früchte, Kräuter, Zitrone, Sandelholz, Blutorangenschale, Kreuzkümmel, Koriander, grüner Kardamom – fein, alles einzeln erfassbar, aber harmonisch eingebunden. Es ist selten, dass jeder Geschmack eine komplementäre Entsprechung hat, hell und dunkel, frisch und würzig. Wie Farben in einem Monet. Sehr cocktailstabil. Super pur!“

Literpreis: etwa 65


The Duke

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„Ein Münchner Produkt und leider ein Beispiel dafür, dass sich Lokalpatriotismus auf der Zunge rasch erschöpft. Der Gin ist extrem flach, fast wässrig, mit einem Anflug von Gummibären-Aroma (die weißen), danach wird er schnell bitter. Die wenigen Geschmackskomponenten fallen seltsam auseinander, ohne Harmonie. Er ist das Gegenteil von komplex. Auch kommt er komisch an im Mund, so als würde er zufällig reinrutschen. Keine Fülle, keine Öligkeit. Den würde ich selbst für Gin Tonic nicht empfehlen.“

Literpreis: etwa 38


Plymouth Navy

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„Dieser Gin schmeckt nach Klassiker. Viel Wacholder, aber nicht so fruchtig. Schlank und direkt. Starker Alkoholgehalt. Langer Nachhall. Das ist der Prototyp eines Gins zum Mixen. Der bringt einen Cocktail nicht groß durcheinander, lässt Raum für andere geschmackliche Komponenten, ohne dabei selbst zu verwässern. Ein Gin wie ein Steak: schmeckt vielen, lässt aber auch keinen ausflippen und funktioniert mit allen erdenklichen Beilagen. Für einen Gin Tonic ist der fast schon zu straight.“

Literpreis: etwa 54


Old Raj

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„Auffällig starker Alkoholgehalt (55 Prozent) und viel Charakter. Das macht diesen Gin in Cocktails sehr konkurrenzfähig. Der Alkohol überfordert einen anfangs fast am Gaumen, aber dann setzt sich der interessante, angenehm komplexe Geschmack durch. Tolle Fruchtigkeit. Seine Süße ähnelt der im Nachgeschmack von gelbem Curry. Dazu hat er eine spannende Safrannote. Exotisch, elegant mit Tiefe, schönem Mundgefühl und langem Nachhall. Das ist definitiv ein Gin für den späteren Abend. Auch gut als Digestif.“

Literpreis: etwa 48


Hendrick’s

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„Ein Rätsel, warum die Deutschen in jeden Gin Gurke tun. Bei dem hier ist das noch rätselhafter, weil er eh nach Gurke schmeckt. Leute, die so was trinken, tragen auch blaue Blazer zu Blue Jeans. Passt natürlich, interessiert nur keinen. Spannung und Harmonie erzeugt man ja nicht mit gleichen, sondern mit komplementären Geschmäckern. Die Gurke zielt hier auch auf das Tea-Time-Publikum. Viel Rose, stark blumig, fast überparfümiert, dafür ohne Tiefe. Ein sehr braver Gin, der auch im Tonic höflich bleibt.“

Literpreis: etwa 42


Citadelle Reserve

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„Dieser Gin hat eine ungewöhnliche Cremigkeit. Und er ist extrem würzig, mit Anflügen von Zimt, Akazie, Lakritze, Muskat, Kreuzkümmel, Anis, Fenchel, Bittermandelöl, Orangenschale. Trotzdem rutscht er nicht in Richtung Weihnachtsbäckerei ab, weil andere Aromen gegenhalten: florale Noten von Veilchen oder Lilienwurzel und Koriander – eine tolle, geradezu coole Mischung. Er ist weich, rund, fein und komplex. Für Cocktails fast zu ausbalanciert. Lieber pur. Oder mit trockenem Martini und Olive.“

Literpreis: etwa 46


 

Source: Verkostung – Die Gin-Marken im Geschmackstest