Sorten und Destillerien

Die EU findet auch für Gin eine offizielle Kategorisierung, gemäß der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 unterscheidet man Gin und Destilierten Gin. Eine Variante davon ist der London Gin, der auch noch den zulässigen Zusatz dry (trocken) führen darf, ohne dass dies als eigene Spirituosenart gesehen wird.

London Gin

  • ausschließlich aus Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs gewonnen, und
  • dessen Aroma ausschließlich durch die erneute Destillation von Ethylalkohol in herkömmlichen Destilliergeräten unter Zusetzen aller verwendeten pflanzlichen Stoffe gewonnen wird, und
  • dessen Gehalt an zugesetzten süßenden Erzeugnissen nicht mehr als 0,1 g Zucker je Liter des Fertigerzeugnisses betragen darf, und
  • der keine zugesetzten Farbstoffe enthalten darf.

London Gin darf neben den pflanzlichen Stoffen keine anderen zugesetzten Zutaten außer Wasser enthalten. Der Mindestalkoholgehalt von London Gin beträgt 37,5 % vol. Die Bezeichnung London Gin kann durch den Begriff „dry“ ergänzt werden, wenn keinerlei süßende Erzeugnisse zugesetzt werden.

Einige typische Vertreter sind:

TANQUERAY – ein sehr trockener und abgerundeter Gin einer 1830 gegründeten traditionell geführten Destillerie, die den Namen des Gründers Charles Tanqueray trägt. Die klassische Rezeptur in einer stumpfen grünen Flasche abgefüllt, deren Design einem englischen Hydranten nachempfunden ist. Neben dieser wird seit 2000 auch die No. Ten Abfüllung in einer schlanken nostalgischen Art-déco-Flasche angeboten. No. Ten ist der einzige Gin, der aus frischen Kräutern und Früchten in kleinen Kesseln gebrannt wird, um ein besonders intensives Aroma zu erreichen. Beide haben 47,3 % Vol. Die Destillerie bot zwischenzeitlich auch eine Malacca 1839 Abfüllung an, eine nostalgische und rauere Rezeptur mit nur 40 % Vol., die in der klassischen Hydrantenflasche abgefüllt wurde, jedoch aus klarem Glas und mit goldenem Verschluss. Die Produktion von Malacca wurde jedoch im Jahre 2004 wieder eingestellt. Seit 2006 gibt es eine neue Abfüllung Tanqueray Rangpur, der kräftigere Gewürze und Rangpur-Früchte zugesetzt sind, sie ist leicht gesüßt.

BOMBAY SAPPHIRE – die klassische Abfüllung (47 % Vol.) ist ein Gin mit einem nicht allzu Wacholder-betonten Aroma und trocken-alkoholischem Geschmack. Zwischen 2004 und 2007 war auf dem deutschen Markt ausschließlich eine Abfüllung mit verringertem Alkoholgehalt (40 % Vol.) erhältlich, die in puncto Abgerundetheit, Würze und Aroma einige Zweifel erlaubte. Mittlerweile ist das Produkt aber wieder in beiden Abfüllungen erhältlich, wobei im Lebensmitteleinzelhandel in der Regel nur die 40-prozentige Variante angeboten wird.

BEEFEATER CROWN JEWEL (dunkel-lila Flasche) – der die normale Abfüllung mit seinem weichen Geschmack übertrifft, bietet eine starke Würze bei einem Alkoholgehalt von 50 %.

GORDON´S – ein Gin mit großer Verbreitung im Supermarkthandel (37,5 % Vol.). Seit Neuestem setzt der Hersteller auf Vielfalt und ein neues Aussehen. Neben dem Original (grüne Flasche) wird auch ein Distiller’s Cut (ungefärbte Flasche) mit ausgeprägteren Noten von Lemongras und Ingwer angeboten. Das Flaschendesign und die Typografie sind eine Rückkehr zur gemeinsamen Geschichte mit Tanqueray.

Dry Gin

Dry Gin und Destilled Gins sind dem London Dry Gin sehr ähnlich, allerdings sind beim London Gin die Regeln strenger. Beim Dry Gin dürfen die verschiedenen Botanicals zu jedem Zeitpunkt zugegeben werden, nicht nur vor der Destillation und auf einmal. Ebenso dürfen bei dieser Gin Sorte verschiedene “naturidentische” Farb- und Aromastoffe zugegeben werden, was beim London Dry Gin verboten ist. Gemeinsam haben Dry Gin und London Dry Gin die mindestens doppelte Destillation und das Verbot von Zuckerzusatz.

Französischer Gin

In Frankreich gibt es einen Saffron Gin mit 40 % vol. Die Herstellung erfolgt im wesentlichen nach dem britischen Verfahren, allerdings wird Safran hinzugefügt und man legt Wert auf eine eindeutige Zitrusnote. Durch diese hochwertigen Botanicals bekommt er eine schöne hellgoldene Farbe. Ausserdem gibt es einen auf Weingeist basierenden Gin. Durch die Verwendung einer Weinrebe entsteht eine spezielle Aromakomponente und der Gin bekommt einen starken weinartigen Geschmack.

Die unterschiedlichen und typischen Aromen und Geschmacksrichtungen finden Sie in den Produktbeschreibungen, am besten sind sie aber zu erschmecken.


Herkunftsländer

Eine andere Unterscheidung ist die nach den Herkunftsländern.

England und Schottland

England gilt als das Mutterland des Gin und somit prägten seine Destillerien das Bild des Gin. Der berühmte London Dry Gin enstand hier genauso wie wie Old Tom und Plymouth Gins. Im 18. Jahrhundert stieg der Konsum auf ungeahnte Höhen, sodass man gesetzlich dagegen vorging.

Viele Liebhaber Gins stammen von hier. Hayman’s von den Hayman Distillers, Bombay Sapphire (der Bacardi Group zugehörig) und Gordon’s (Diageo) zählen zu den ganz Großen am Gin-Himmel und fehlen in keiner Bar.

Es ist keine große Überraschung, dass in Großbritannien vor allem London Dry Gins destilliert werden. Sie sind hochprozentiger (bis zu 47%) und werden hin und wieder sogar in Navy Strength Stärke angeboten. Die Geschmacksbetonung liegt in England meist auf Wacholder und einer gewissen Zitrusfruchtigkeit. Hier wird vor allem der Gin Tonic aber auch der Martini bevorzugt getrunken.

In Schottland findet man ebenfalls einige Gin-Destillerie. Einer wachsenden Beliebtheit erfreut sich der Hendrick’s Gin von William Grant & Sons Ltd., der mit mit bulgarischer Damaszener Rose und Gurke verwöhnt. Vom Hoxton Gin mit Kokosnuss und Grapefruit, einem Bathtub Gin gibt es von Professor Cornelius Ampleforth und den Masters of Malt, bis hin zum großen Tanqueray (Diageo) oder dem romantischen, geschichtsbezogenen Darnley’s View und den innovativen Abfüllungen der Edinburgh Gins der Spencerfield Spirit Company taucht in den nordischen Landen ein buntes Potpourri an hervorragenden Destillerien auf und erfreut die ganze Welt mit ihren Kreationen.

Frankreich

Frankreich zeichnet sich neben großen Konzernen wie Pernod Ricard und LVMH vor allem durch äußerst experimentierfreudige Destillerien aus. Schon die tieforangefarbene Couleur des Saffron Gins von Gabriel Boudier verrät die besondere Zutat Safran, die in diesem Gin Einzug hält. Die Basis für den Neutralalkohol von G-Vine bilden Trauben anstelle von Getreide. Und Citadelle Réserve der Brennerei Ferrand war gar der erste fassgelagerte Gin, der als Vorreiter für viele andere Destillerien diente.

Spanien

Laue Sommerbrisen und ein kaltes Gin Tonic passen offensichtlich hervorragend zusammen und fördern die große Anzahl an Destillerien. Neben Großbritannien tritt Spanien als typisches Gin-Land auf. Spannende Neuinterpretationen des Gins wie die 5th Gin Reihe der Destillerie Modesto Soler und Gin Mare begeistern dabei ebenso wie klassische London Dry Gins, beispielsweise ein Botanic Ultra Premium Gin von Bodegas Williams & Humbert.

Deutschland

Die Deutsche Gin-Landschaft geriet in den letzten Jahren stark in Bewegung. Hier wird bevorzugt nach klassischen, altbewährten Stil gebrannt, wie beispielsweise beim Adler Berlin Dry Gin und dessen Preußischer Spirituosen Manufaktur. Nur einige wenige ausgewählte, typische Botanicals landen in diesem Gin, der aufs sorgfältigste destilliert wird.

Neben der Gin-Tradition gibt man in Deutschland dem Gin gerne einen Hauch Heimat mit. Typisch beim bayrischen Bavarka Gin der Lantenhammer Brennerei, die ihrem Gin Heublumen, Hopfen und Fenchelsamen mitgeben, oder beim Monkey 47 der Black Forest Distillers GmbH, die unter anderem mit Fichte, Holunderblüten, Hagebutte und Preiselbeere aufwarten.

Gerade auch in Deutschland machen sich engagierte Einzelpersonen auf, ihre Leidenschaft für Gin mit der Gründung einer Destillerie in professionelle Bahnen zu lenken. Feel! Munich Dry Gin wurde vom jungen Korbinian Achternbusch ins Leben gerufen.

Ebenso hält es sich mit Gin Sul der Altonaer Spirituosen Manufaktur aus Hamburg. Stephan Garbe destilliert dort einen bemerkenswerten Gin, der es schaffte, nordische Lebenslust und (als erklärter Portugal-Liebhaber) portugiesische Eigenheiten mit in die Flasche zu bringen. Lavendel, Rosenblüten und Zimt treffen mit Wacholder, Zitronen und der besonderen Zutat Zistrose zusammen, die das gewisse Etwas garantiert.

USA

Die USA stellen einen der größten Konsumenten von Gin dar. Hier ist man immer mehr dazu übergegangen mildere und weichere Gins zu konsumieren. Die Nachfrage nach niedrigeren Prozentzahlen und auch die damit zusammenhängende Vorliebe für New Western Gins, wie beispielsweise des Aviation Gins von House Spirits Distilling oder des CapRock Organic Gins der Peak Spirits LLC ist hier deutlich höher.